AK Grün – Symposion, 2016

Themenkomplex

Das „gemeine Grün und seine Resozialisierung“ sehen wir als Metapher für unseren subjektiven Umgang mit der Realität, insbesondere in Bezug auf die uns umgebende Stadtlandschaft und deren Wechselwirkung mit uns selbst.

So “gemein” wie dieses „Grün“, das an jeder Straßenecke seinen Weg durch den Asphalt findet, so unausrupfbar sind die Fragen, die sich bei genauerer Betrachtung daraus ergeben.

Der Stadtraum ist unser Ausgangspunkt, als wichtiger Teil unserer Lebenswelt: in diesem Fall München. Wir unternehmen Stadtspaziergänge im Sinne der Promenadologie, als Grundlagenforschung um uns mit den Themenkomplexen Natur / Wildheit, Kultur, Ordnung und Chaos zu beschäftigen.
Zusammen mit „Spezialisten“ wollen wir soziale, ökologische, politische und ästhetische Aspekte untersuchen, mit dem Ziel unsere Wahrnehmung der Umwelt zu schärfen und zu erweitern, und einen tieferen Einblick in die Strukturen unseres Lebens in der Stadt zu bekommen.
 
TeilnehmerInnen
Jutta Burkardt, Alexis Dworsky, Andreas Mitterer, Heidi Mühlschlegel, Martina Ring, Rasso Rottenfußer, Susanne Schmitt

Inhalte und Timing

FRANZ XAVER BAIER – So. 04. Sept. 2016
Städtisches Münchner Unkraut als Hinweis auf Lebensgemeinschaften höherer Ordnung
Eine Art >Unkraut – Spaziergang>, worin unterschiedliche Themenaspekte erläutert werden.
Zum Beispiel: Spalt, Ritze, Tiefe, Untergrund, Spontaneität, Wildheit, Kultur, Humus und Humanität,etc.

CHRISTIANE FINK – Di. 06. Sept. 2016
Von der Kunst, mit Pflanzen zu sprechen
Der geomantische Workshop führt uns in die Maximiliansanlagen an der Isar. Hier finden wir unsere Gesprächspartner.
Geomantie bedeutet wörtlich etwa “Interpretation, Weissagung der Erde”. Mit der Hilfe von Übungen werden wir uns auf die feinen Ebenen der Erde einstimmen und einen tiefen Kontakt zu ihren Pflanzenwesen herstellen.

DANIELA STÖPPEL – Do. 08. Sept. 2016
Taxonomien und urbane Ordnungen.
Was die Klassifikation der Pflanzen mit der Gestalt unserer Städte zu tun hat

Rundgang durch den botanischen Garten und den Nymphenburger Schlosspark.
Taxonomien dienen der systematischen Klassifikation von Arten. Im Rundgang durch den botanischen Garten wird der Frage nachgegangen, wie sich verschiedene Klassifikationsmethoden begründen und inwiefern diese abstrakten Ordnungsschemata in der Gliederung des urbanen und architektonischen Raums ablesbar werden.

CHRISTIAN SCHWAABE – Fr. 09. Sept. 2016
Die Zurichtung der Natur in der entzauberten Welt.
Wie der Erfolg technischer Rationalität unsere Wahrnehmung geformt hat
Die moderne Gesellschaft ist von einem „Rationalismus der Weltbeherrschung“ durchdrungen, der sich dem Siegeszug technischer Rationalität verdankt. Max Weber spricht von einer umfassenden „Entzauberung der Welt“ im Bewusstsein des modernen Menschen. Die Technik und ihr Gebot der Verwertbarkeit und Berechenbarkeit prägen das gesellschaftliche Naturverhältnis. Diese sehr einseitige Perspektive auf Natur aufzubrechen, ist Ziel zweier promenadologischer Exkursionen: ins Deutsche Museum als dem Tempel stolzer Technikverehrung und zum nahe gelegenen Isar-Stauwehr als Beispiel für die Zurichtung von Natur (hier: einem Fluss).

NIKA WIEDINGER & NICOLE TRUCKENBRODT – Mo. 12. Sept. 2016
Unter dem Pflaster, das Grün
„Sous les pavés, la plage“, dieser Spruch der 68-er-Spontis zielt mutig auf die Freiheit. Im Kontext des Projektes liegt „Unter dem Pflaster“ doch wohl weniger „der Strand“, sondern: wirkt das Grün. Es steht symbolisch für die Träume und Albträume des Begehrens, wie sie Hieronymus Bosch etwa in seinem „Garten der Lüste“ dargestellt hat. Wie geht das mit den Gelüsten und wie geht es damit gut? Diese Fragen sind nun insbesondere für das städtische Leben wichtig, da die Stadt in nichts mehr gründet als im Begehren-Können ihrer Bürger.
Im ersten Teil des Workshops erschließen Nika Wiedinger (Philosophie) und Nicole Truckenbrodt (Organisationsberatung) gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die dämonische Kraft des Begehrens.
Im zweiten Teil besuchen wir einen Münchner Stadtgarten, der als Oase inmitten eines offen gestalteten Unternehmenskomplexes angelegt ist: Wie spiegeln sich Aspekte aus Boschs’ Lustgarten im Kieferngarten des O2-Towers? Was für Begehrlichkeiten werden hier geweckt oder befriedigt?
Quellen: Hieronymus Bosch „Garten der Lüste“; Platon „Symposium“; Georges Bataille „Die Tränen des Eros“; Peter Sloterdijk „Der Weltinnenraum des Kapitals“ u.a.m..

CHRISTIAN JACOBS – Di. 13. Sept. 2016
RE FORMATION – Subversive Stadtkultur in München
Im Laufe eines 12 stündigen Parcours erfahren und gestalten wir ein anderes München. Ein München in seiner kreativen Tiefenstruktur.

Diese Veranstaltung wird gefördert vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München

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